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Fragen und Antworten

Kann mit jedem Hund longiert werden?

Ja, wirklich mit jedem. Die Frage muss sein: was kann das Longieren jedem einzelnen Hund bieten? Ich selber habe jetzt zwei Chihuahuas und eine Malinois-Hündin. Mit allen dreien longiere ich, immer mit anderen Ansätzen und Zielen. Es spielt also überhaupt keine Rolle, wie gross der Hund ist, oder welcher Rasse / Mischung er angehört. Auch der Ausbildungsstand ist irrelevant.

Kann mit einem Hund longiert werden, mit dem im Sport / Dienst gearbeitet wird?

Auch hier ein klares Ja. Sport- und Diensthunde brauchen Ausgleich, körperlich wie auch mental. Und dafür ist das Longieren ideal, zumal man es überall machen kann, ohne Material und ohne Vorbereitung. Es kann als Warm-up und Cool-Down angewenet werden. Einzig bei Rettungshunden ist etwas Vorsicht geboten. Diese sollen sich nicht übermässig am Menschen orientieren.

Und mit einem Familienhund?

Ja natürlich. Gerade mit Familienhunden. Es gibt so viele kreative Möglichkeiten, die eingebaut werden können. Longieren kann man im Garten, aber auch auf dem Spaziergang. Die Aufmerksamkeit des Hundes auf seinen Menschen wird gestärkt, die Proaktivität gefördert und das Spielverhalten wird positiv beeinflusst, da z.B. das Tragen und Bringen völlig ohne Druck aufgebaut werden kann. Generell ist ja eine gute Bindung die Basis für den Alltag, für den Rückruf aber auch für den sonstigen Umgang mit dem Vierbeiner.

Weshalb eigentlich ein Kreis?

Der Kreis bringt den Hund in eine Lockerheit. Es gibt kein Ziel, im Sinne von irgendwo hingehen. Deshalb gibt es eine Kontinuität in der Bewegung. Hund und Mensch können sich so in der Bewegung aufeinander einlassen, sich aber auch mal in Ruhe lassen. Der Hund wird nicht mit irgendwelchen Kommandos oder Signalen zugetextet. Der Kontakt, die Proaktivität kommt von alleine.

Welchen Einfluss hat das Longieren auf die Bindung?

Durch das, dass der Hund nicht einfach konditionierte Signale ausführt, tritt er in die aktive Zusammenarbeit mit dem Menschen. Er wird offen, aufmerksam und konzentriert. Bindung besteht aus drei Hauptpfeilern: Vertrauen, Respekt und das Eingehen auf die individuellen Bedürfnisse. Und alle drei Punkte werden durch das Longieren positiv beeinflusst und gestärkt. Durch das Spiel mit Distanz und Nähe wird das gegenseitige Verstehen auf eine Ebene gebracht, die weit über "Gehorsam" hinausgeht.

Was kann der Hund mit Hilfe des Kreises lernen?

Das Tragen / Bringen eines Gegenstandes (Spielzeug) kann ohne Druck aufgebaut werden. Ich sehe immer wieder, dass das Spiel zwischen Mensch und Hund in einem Ungleichgewicht ist. Entweder der Hund haut mit dem Spielzeug ab, oder er kommt nur zögerlich damit in die Nähe des Menschen. Und das ist auf Dauer frustrierend.

Der Hund lernt auch, aufmerksamer auf den Menschen zu sein, sich besser zu konzentrieren und sich zu entspannen. Hat er sich auf dem Spaziergang zum Beispiel aufgeregt, kann das Longieren zum "Herunterkommen" genutzt werden. Der Hund wird viel sensibler auf die kleinen Zeichen des Menschen, wird offener und aufnahmefähiger. Viele kleine und grössere Schwierigkeiten aus dem Alltag können mit dem Kreis geklärt und aufgelöst werden.

Was ist die sogenannte Tabuzone, und weshalb arbeitet kynomental ohne?

Jetzt kommen wir zu dieser vermaledeiten Tabuzone. Der Name sagt es schon. In manchen Ansätzen soll der Hund das Innere des Kreises unter keinen Umständen betreten. Da er dies natürlich nicht versteht, wird er - meist auf unsanfte Weise - nach aussen buxiert. Es wird damit begründet, dass der Hund Respekt lernen soll. Das ist totaler Unsinn. Der Hund lernt lediglich, dass es negativ für ihn ist, in diese Zone zu kommen. Es ist also eine erlernte Gewohnheit in diesem spezifischen Kontext. Auswirkungen auf den grundsätzlichen Respekt ausserhalb der Kreisanlage, hat es nicht.

Respekt entsteht dann, wenn der Hund auf ein kleines Zeichen in den Kreis kommt, diesen aber auf ein ebenso kleines Zeichen wieder verlässt, und das in der Bewegung. Wenn er auf diese subtile Kommunikation eingeht, dann kann man von Respekt sprechen. Und genau deshalb arbeitet kynomental nicht mit der Tabuzone. Zudem gibt es viel mehr Möglichkeiten und Varianten, die man ohne Tabuzone machen kann.

Welche Kritik gibt es am Longieren?

Es gibt berechtigte Kritik, in erster Linie im Zusammenhang mit der Tabuzone. Der Hund werde auf einer künstlichen Distanz gehalten, obwohl man doch möchte, dass der Hund gerne in die Nähe des Menschen kommt. Zudem wird das Longieren als stupide und langweilig bewertet. Es sei nicht bindungsfördernd.

Wie oben beschrieben, ist die Tabuzone effektiv Non-Sense für die Bindung. Rennt der Hund zudem nur irr im Kreis herum, ist es tatsächlich stupide und sinnlos. Ebenso stimmt es, dass es nichts zur Bindung beiträgt, den Hund in eine vorgegebene Distanz zu zwingen. Für den Hund ist das unverständlich und geht entgegen dem, was wir eigentlich aufbauen wollen: Nähe. Es gibt sogar Arbeitsweisen, da gehen die Teilnehmer mit ihren Hunden hintereinander im Kreis herum. Diesen Ansätzen kann ich nichts Gutes abgewinnen. Ich sehe auch den Sinn nicht dahinter.

Wie stehen die Ansätze von kynomental zu dieser Kritik?

Nie wird der Hund grob aus dem Kreis buxiert oder hinaus gedrängt. Auch wird keine Bestechung betrieben, indem der Hund mit einem Gudeli buchstäblich an der Nase herum geführt wird. Der Ansatz von kynomental basiert auf der Bewegung selber und auf der schnellen Auffassungsgabe des Hundes. Eine spezielle Übung hilft dem Team, sich gegenseitig Raum zu geben. Dabei steht eine lockere, spielerische und für den Hund immer verständliche Art im Zentrum, basierend auf der subtilen und sehr wichtigen Körpersprache.

Es wird immer nur mit einem Hund am Kreis gearbeitet. In einem späteren Stadium des Trainings kann unter gewissen Umständen gezielt mit mehreren gearbeitet werden. Aber mit spezifischen Übungen, gut koordiniert und überlegt.

Der Hund läuft im Schritt, Trab und Galopp. Die Herausforderung ist ja, ihm etwas beizubringen, was er noch nicht (gut) kann. Sehr motivierte und schnelle Hunde können lernen, einen Gang runterzuschalten, überspannte Hunde werden locker, weniger motivierte Hunde werden aktiv. Es ist also wenig sinnvoll, einen Hund, der eh schon immer mit Vollgas unterwegs ist, am Kreis rumrasen zu lassen. Das kann er ja schon. Bei den Ansätzen von kynomental steht jeder einzelne Hund mit seiner ganz eigenen Persönlichkeit im Zentrum.

Mit welchen Methoden / Techniken wird gearbeitet?

Grundsätzlich mit allem, was dem Hund, dem Team und der Bindung dient. Und auch abgestimmt auf die Art, wie der Mensch mit seinem Vierbeiner bereits gearbeitet hat oder arbeiten will. SilentWork ist Bestandteil der Kreisarbeit. Dies ist ein ganzheitlicher Ansatz, der dem Hund ermöglicht, aktiv mit dem Menschen in Zusammenarbeit zu gehen.

Es werden Futter, Spielzeug, Futterbeutel, Stimme und Körpersprache eingesetzt, immer so, dass der Ablauf für den Hund klar ist und er wirklich lernen kann. Der Hund wird nicht bestochen oder gelockt, weder mit Futter noch mit Spielzeug. Der Clicker kann ebenfalls eingesetzt werden. Allerdings ist dies meistens nicht mal nötig. Im Zentrum soll wirklich die Bewegung, die Dynamik und die Interaktion mit dem Menschen stehen.

Ein wichtiges Element kann die Bodenarbeit sein. Diese wird eingesetzt, um den Hund in eine Konzentration zu bringen, seinen Fokus umzulenken, zu aktivieren, ihn aus einem Bewegungsschema zu nehmen oder in einen Rythmus zu bringen.

Alle Ansätze sind absolut gewalt- und druckfrei, klar und für den Hund verständlich.
Im Fokus steht die feine non-verbale Kommunikation mit dem Hund.

Wie kann der Kreis bei Verhaltensproblemen helfen?

Der Hund lernt, sich mit einem Auslösereiz zu beschäftigen und sich durch die Bewegung zu lösen. Gerade bei zurückhaltenden, dem Menschen gegenüber ängstlichen Hunden, kann wunderbar mit dem Kreis gearbeitet werden. Die Bewegung und die flexible Distanz helfen ihm, Vertrauen zu fassen und Selbstsicherheit zu entwickeln.

Bei stark gestressten, angespannten und auch aggressiven Hunden ist die kontinuierliche Bewegung eines der besten Mittel, um den Körper zu lockern und den Fokus des Hundes umzulenken. Oft ist ja das Problem, dass der Hund sich verschliesst und der Mensch gar ncht mehr an ihn herankommt. Und da hilft der Kreis enorm.

Bei Verhaltensthemen ist der Kreis natürlich nicht Allheilmittel. Respektive, er muss mit der positiven Umkonditionierung und anderen Ansätzen kombiniert werden, damit das Training greift.

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